

All das Training, all der Schweiß, all die Schmerzen, all die Entbehrung. Ohne Wettkampf macht das alles nur sehr wenig Sinn, zumindest für mich. Auch wenn ich dieses Mal nur zum Coachen und zur allgemeinen Belustigung dabei war.
Und endlich mal wieder unterwegs mit Armin, Chris, Maki, Harun, Suat, Nenad, Oren und dem Jungen, der sich die Sporen erst noch verdienen muss.
Deshalb ging es am vergangenen Samstag wieder früher Richtung Ede los als mir insgeheim lieb war; noch bevor der Muezzin singend und jauchzend die Jungfrauen im Paradies anschmachten konnte. Sind eigentlich junge Frauen, jungfräuliche Frauen oder Jungen & Frauen gemeint? Tja, man weiß es nicht mehr so genau. Stille Post lässt grüßen. Alles kann, nichts muss.
Ich weiß, ich weiß, ruhig Blut, aber der Zug ist bereits vor 28 Jahren abgefahren. Ich kann das Tor zu Hölle bereits förmlich riechen.

Was mir an Ede wirklich gut gefällt, ist die Organisation. Ohne lange Wartezeiten vorher oder zwischendurch wird auf 6 Matten pausenlos gekämpft. Nur kurze Unterbrechungen für die Siegerehrungen der ausgerungen Klassen. Die Referees machen auch einen sehr guten Job; na ja, bis auf der Nazi-Schiedsrichter, der wohl glücklicherweise in Den-Haag vor der Richterin stand und deshalb nicht zugegen war.
Harun musste im ersten Kampf der 76kg-Kategorie sofort gegen Wim de Putter ran. Game-plan: aggressiv, viel Druck und Takedown. Wim kam Harun jedoch zuvor und hat wie immer sehr tief geshooted. Harun konnte sprawlen und ging sofort auf Guillotine, sehr tief und sehr eng, konnte ihn aber nicht tappen. Der Junge atmet wahrscheinlich durch eine Frikandel. Unglaublich. Danach waren die Arme voll und Harun musste sich mit Mata Leon geschlagen geben.

Die nächsten drei Gegner hat Harun dann einfach weggefegt.
Im letzten Match stand Harun einem Ringer gegenüber; im Grappling eher unerfahren aber im Stand routiniert. Anstatt den Jungen dort zu besiegen, wo er sich nicht zuhause fühlt, wollte sich Harun mit ihm unbedingt im Stand messen. Während der regulären Kampfzeit hat Harun auch dominiert, aber den Ringer alles andere als ernst genommen. Ein Fehler der sich in der Overtime rächen sollte. Verloren durch Takedown. Unnötig, aber nun gut. Die mittleren drei Kämpfe waren sehr gut.

Oren, Suat und Nenad kämpften gleichzeitig auf benachbarten Matten. Das Rumgerenne war schlimmer als „Reise-nach-Jerusalem“ damals im Kindergarten. Und coachen ist um einiges schlimmer als selbst auf der Matte zu stehen. Als Kämpfer hat man zumindest das Gefühl, alles in der Hand zu haben. In der Ecke kann man nur zugucken, schreien und mitfiebern. Plus schwitziger Hände, Kopfschmerzen und einer heiseren Stimmer. Trotzdem würde ich eine stickige Halle jederzeit gespreizten Frauenbeinen vorziehen. True story.
Nenad und Suat sind beide in der 83kg-Anfänger-Klasse gestartet. Natürlich wollten unsere holländischen Freunde beide Jungs im gleichen Pool starten lassen. Na na na, kurze Intervention und alles wurde zu unserer Zufriedenheit geändert.
Suat hat die ersten drei Kämpfe sehr souverän und technisch hervorragend für sich entscheiden können. Im vierten Kampf hat sich Suat nach einem gegnerischen, lehrbuch-mäßigen Harai-Goshi mit anschließendem Kesa-Katame wieder zurück ins Spiel gebracht und zeitweilig das Blatt wenden können. Letztendlich musste sich Suat aber einem Leglock geschlagen geben. Das 5. Match hat Suat dann ebenfalls verloren, hier aber mehr aus Unachtsamkeit. Trotzdem sehr gute Leistung. Noch viel Spaß im Urlaub.

Nenad hat seine ersten 5 Kämpfe ebenfalls sehr dominant, 4mal mit Submission und einmal nach Punkten, gewonnen. Das Halbfinale verlor Nenad dann mit Armhebel, teils aus Anfänger-typischen Unachtsamkeit und teils, weil sein Gegner einfach alles richtig gemacht hat. „Das war sehr eng!“, ach ne, nicht alle Anfänger sind Bewegungs-Legastheniker. Verdienter dritter Platz. Sehr schön.
Oren war, wie gesagt, gleichzeitig in der 83-advanced-Division am Start. 6 Kämpfe, 5 Siege, 4 durch Punkte, einmal Submission, dritter Platz. Zu dieser Kausalkette komme ich später noch zurück.
Oren hat sehr überlegt gekämpft und seinen Gegner wenig Platz zum agieren gelassen. Seinen Gegner sein eigenes Spiel sehr erfolgreich aufgezwängt. Mental stark. Trotzdem gibt es einige Dinge an denen wir unbedingt arbeiten müssen, um die Lücken im Game zu schließen.

Während Harun, Nenad und Suat in den gewohnten Pools an den Start gingen und sich in den Pools nach dem jeder-gegen-jeden-System bis in die Finals hoch kämpfen konnten, hatten sich die Organisatoren für Orens Division eine andere Lösung überlegt. Keine Ahnung warum. Muss man wohl nicht verstehen.
Statt alle Kämpfer in zwei Pools kämpfen zu lassen, gab es nur ein Bracket mit dem jeder-gegen-jeden-Prinzip. Nur wurden die ersten drei Plätze dann nicht ausgerungen, sondern durch Punkte-Vergabe bestimmt.
Für einen Sieg mit Submission gab es 2 Punkte, nach Punkten 1 Punkt und für eine Niederlage sinngemäß keine Punkte. Schließlich wurden am Ende alle Punkte zusammen gezählt und der Sieger deklariert.
Es macht durchaus schon Sinn, einen Sieg durch Submission höher zu bewerten als ein Punktsieg, aber als Resultat dieser Regelung hat Oren den z.B. Erstplazierten zuvor im Pool besiegt. Bei herkömmlicher Vorgehensweise wären sich die beiden zumindest im Halbfinale noch einmal begegnet. Meiner Meinung nach eine zumindest unglückliche Regelung. Orens Enttäuschung teile ich 100%. Sehr starke Vorstellung nichtsdestotrotz.

Wieder ein guter Tag. Nur ärgere ich mich im Nachhinein immer, dass wir bei McDonalds waren, obwohl ich mich vorher wirklich darauf freue. Paradox oder siegt in diesem Fall einfach das US-amerikanische Suggestions-Marketing?
Vielleicht sollten wir die jahrelange Tradition einfach brechen und ab sofort eine halbwegs gesunde Nahrungsquelle aufsuchen. Ich werde diesen Vorschlag dem Hohen Rat darlegen, auf dass dieser eine weise Entscheidung fällen möge.
Und: ich hätte dem Pausen-Clown auf dem Parkplatz doch die Banane vor die Füße werfen sollen. Die besten Ideen kommen mir immer erst hinterher. Verdammt.

Hier gibt es die vollständigen Ergebnisse.
pelicanino

Wieder einmal eine volle Halle. Entweder lag es an meiner leicht gestörten Wahrnehmung aufgrund von zu vielen Gläsern Whiskey-Cola & Gin-Tonic oder es werden wirklich jedes Mal immer mehr, die den Weg zur Open Mat finden; mit Kind und Kegel. Zu Spitzenzeiten waren wohl knapp 70 Leute auf der Matte. Wahnsinn.

Da hab ich es mir auch nicht nehmen lassen, zum ersten Mal nach 8 Wochen post-Tossy 3 wieder zu rollen. Ging eigentlich ganz gut, auch wenn das Vertrauen in die Schulter noch weit von 100% entfernt ist. Aber es geht bergauf.
Allerdings bin ich noch so weit von meiner pre-Verletzungs-Form entfernt, dass mir der Anblick von Tarek 2.0 mächtig auf den Sack geht. Deswegen gilt für Tarek ab sofort: T-Shirt-Pflicht und Dusch-Verbot. Dusch-Verbot gilt übrigens auch für Nenad.
Mir scheint, es hat jedem Spaß gemacht und jeder konnte etwas für sich mitnehmen. So wie es sein sollte. Auch wenn der Hammer und die Axt dieses Mal leider nicht zum Einsatz kommen konnten. Schade eigentlich. Bis zum nächsten Mal.
Für Pinky, nur noch einmal zum Verständnis: Taifun = unaufhaltbare Naturgewalt > Schlange = kleines Kriechtier. ERGO sind wir unantastbar, ähnlich wie Gott. quod erat demonstrandum…

Für das Seminar mit Joe Sarti waren dann leider nur noch Wenige geblieben.
Schade, da ich absolut der Meinung bin, dass ein Referent von einem Kaliber wie Joe unbedingt mehr Zuspruch und Teilnehmer verdient. Gerade wenn man bedenkt, wie viel Geld man für drittklassige Nichtsnutze hinblättern muss, die nicht annähernd das Know-how und die Erfahrung haben wie Joe oder auch andere Elite-Dozenten.

Und wie so häufig sind es die kleinen Details die den Unterschied machen.
Squats & co scheinen, wie viele andere Dinge im Leben und im Sport, auf den ersten Blick simple Übungen zu sein. Wird man jedoch auf die Details der Haltung und Ausführung aufmerksam gemacht und versucht diese schließlich umzusetzen, dann merkt man sehr schnell, dass das Gegenteil der Fall ist. Die Übungen bekommen insgesamt eine andere Dimension und führen schneller zu besseren Ergebnissen.

Kurz gesagt: Joes Art gefällt mir sehr. Sein ganzheitlicher Ansatz. Seine Art zu unterrichten. Sein Frage und Antwort-Konzept. Seine Art, die Teilnehmer ihre Fragen durch “learning-by-doing” selbst beantworten zu lassen. Sein Art zu denken; eben nicht in den Kategorien richtig oder falsch, sondern in “it depends” und “this is the optimum and this is what`s possible”. Impressive & definitely inspiring.
Fazit I: Joe ist fast so cool wie ich selbst, aber eben nur fast.
Fazit II: Wenn die Möglichkeit besteht, Joe live zu erleben, auf gar keine Fall verpassen.
pelicanino