Voller Vorfreude hatte ich mich angemeldet. Besonders auf die Franzosen, die letztes Jahr alles abgeräumt hatten. Umso größer war meine Enttäuschung, als ich die Pools im Internet gesehen habe. Ganze 5 Kämpfer in meiner Klasse. Super. Da hatte ich schon gar kein Bock mehr, den ganzen Weg nach Amsterdam zu fahren.
Ich finde es persönlich sehr schade, dass ein Turnier von diesem Format so unter dem Radar bleibt. Auch die usual-suspects aus Ede glänzten durch Abwesenheit. Eine super Halle, sehr professionelle Referees, eine schlanke, zügige Organisation, was will man mehr. Die Mehrheit der Grappler, gerade der deutschen, bevorzugt wohl alte, stinkende 60er Jahre Turnhallen oder Hinterhof-Kaschemmen mit wenn überhaupt mäßigen Kämpfern, unendlich langer Wartezeit und dummen Schiedsrichtern.
Aber Scheiß der Hund drauf, dafür war die Waage erst um 14.30 Uhr. Also ausgeschlafen ab nach Amsterdam; Armin, Nick, Chris und ich. Und weil ich so zwischen 80 und 81kg herumschipper, konnte ich bis dahin auch nichts trinken.
Schlussendlich hab ich gerade so die 79kg gemacht und konnte dann erst einmal einen halben Liter Wasser sturztrinken. Dazu ein Snickers für den Blutzuckerspiegel. Das Snickers ist aber eher suboptimal dafür geeignet, weil die kleinen Erdnussstückchen gerne zwischen den Zähnen und dem Zahnschutz kleben bleiben, äußerst angenehm.
Kurze Rede ohne Sinn: meine Gegner waren mir heute nicht gewachsen, obwohl ich alles andere als motiviert war. Physisch hatte die Jungs mir gar nichts entgegen zu setzten; technisch auch nur marginal, da hatte ich auch keine große Lust mich anzustrengen. Zweimal mit Punkten und das Finale mit Triangle gewonnen.
So, her mit der Medaille und dem T-Shirt, kurz für die Kamera lächeln, Handshake, schnell unter die Dusche und ab nach Hause.
pelicanino
Hier gibt es die vollständigen Ergebnisse.
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Grapple Kinx
Eines Tages erhielt ich einen ominösen Anruf mit einer mir unbekannten Nummer. Normalerweise ignoriere ich so etwas einfach, wie viele andere Vorkommnisse und Begegnungen in meinen Leben ebenfalls, mit Recht wie ich finde. Aber dieses besagte Mal ging ich mal dran und siehe da: Frank Stäblein war am anderen Ende. Ein guter Mann und immer mit einem politisch unkorrekten Spruch am Start; ehrlich, direkt, witzig, genau meine Kragenweite. Also, Frank war gerade damit beschäftigt, eine Nationalmannschaft für die kommende Grappling Weltmeisterschaft in Polen aufzustellen und wollte mich für die 75kg Klasse haben. Ja Jungs, da braucht man mich wirklich nicht lange bitten, selbstredend bin ich dabei. Deutschland repräsentieren, immer und überall.
Im Laufe der Monate hatte ich mich jedoch auf für mich satte 80kg hoch trainiert und wollte/konnte nicht mehr auf 75kg runter gehen. Aber dazu später mehr. Kurzer Emailverkehr mit Frank und war für 80kg dabei.
Und wie soll es auch anders sein, erst kurz vor knapp stand dann auch die Finanzierung der ganzen Tour, so dass die Kämpfer nur die Ausgaben vor Ort zu tragen hatten. Einen dicken Dank an die Sponsoren und einen dicken Dank an Ortega für die Mühe.
So sind wir also einen Tag vor der Waage nach Krakau geflogen. Wir, das sind Stefan Hoss, Frank Stäblein, Daniel Ackermann, Marc Becker, ich, Nico Penzer, der von den Bahamas eingeflogene Sascha Ernst und unser Finanzminister Gero Mayer. Allesamt gute Charaktere, wir haben uns auf Anhieb gut verstanden und eine super Zeit gehabt. Friede, Freude, Eierkuchen, ist das nicht ekelhaft schön. Und das aus meiner Feder. Unglaublich. Na ja, was wahr ist ist halt wahr.
Exkurs: wenn jemand an dieser Aufstellung irgendetwas zu meckern hat, nur zu, keine falsche Bescheidenheit. Falls irgendjemand meint, er sei bei der Kaderaufstellung vorsätzlich übergangen worden oder es herrsche Vetternwirtschaft nach Balkan-Art, einfach mal „Hier“ rufen; und zwar öffentlich und nicht im KKB mit Zweitnick oder per Fake-email. Ansonsten einfach die Schnauze halten. Und ich kann jetzt nur für mich sprechen, aber an mir kommt unter 80kg niemand vorbei. Noch einmal zum mitschreiben: NIEMAND. Sollte da einer anderer Meinung sein, ich bin montags und freitags in Frechen, mittwochs in Düsseldorf, darüber hinaus auch jederzeit gerne nach Absprache bereit, meinen großen Worten Taten folgen zu lassen. Ansonsten bin ich hin und wieder auch auf einem Turnier anzutreffen. Also, schön die Eier rasieren und geschwind zu mir tragen, ich zeige euch wie man daraus Cojones macht. Exkurs Ende.
Auf dem Krakauer Flughafen, was nach deutschem Maßstab wohl eher einem Provinz-Flugplatz mit Würstchenbude entspricht, angekommen, ging es sofort ins Hotel. Auf dem Weg dorthin, musste ich doch glatt mein durchaus fundiertes prä-Kalter-Krieg-Wissen über unseren slawischen Nachbarn revidieren. Da ging ich doch zu meiner eigenen Überraschung noch davon aus, dass die Polen immer noch mit Pferd und Kutsche durch die Gegen gurken. Dementsprechend perplex war ich als ich Autos der Marken BMW und Mercedes auf den Strassen sah. Aber selbstverständlich hatte ich sofort die Lösung parat. Was meint ihr wo die ganzen gestohlenen, deutschen Autos fahren? Richtig. Und somit habe ich ganz nebenbei ein weiteres Mysterium des 21. Jahrhunderts gelöst. Gern geschehen. Dankesbriefe unerwünscht.
Das Hotel war solide und sauber, den Ansprüchen voll und ganz genügend. Nach dem Einchecken sind wir dann erst einmal auf die Suche nach etwas Nahrhaftem gegangen. Während man im Mutterland Deutschland auf die Schnelle fast nur noch Pommes, Döner und Co bekommt, gibt es in Polen noch richtig deftige Imbissstuben mit Kartoffelpüree, Pirogge und Frikadellen. Einfach Fantastisch. Ich kann diesen ganzen Fast-Food-Scheiss ehrlich gesagt auch nicht mehr sehen. Und ich wette, Döner-Alibaba isst sein gepressten Phosphat-Drehshit nicht einmal selber.
Für Freitag Nachmittag war die Akkreditierung und das Wiegen angesetzt. Dabei ging einfach alles drunter und drüber. Das Organisationskomitee war vollkommen überfordert, der Zeitplan wurde abzählbar unendliche Male geändert. Das hieß: warten und warten und warten. Eine meiner Lieblingsbeschäftigungen und überaus positiv für meinen ausgeglichenen Gemütszustand. Aber für die Jungs, die Gewicht machen mussten, einfach eine unnötige, zusätzliche Belastung. Und das ganze nur, weil eine Gruppe vorderasiatische Öldiebe meinte, einfach mal drei Stunden später zur Akkreditierung kommen zu können; und das wurde zu allem Überfluss auch noch stillschweigen von offizieller Seite her akzeptiert. Einfach unglaublich. Da soll sich noch einer ernsthaft wundern, dass es bei den Hirtenclans jenseits des Aralsees elektrischen Strom nur jeden zweiten Mittwoch im Monat gibt.
Und als ich dann zum Wiegen an der Reihe war, dämmerte es mir schon langsam. Ich war im falschen Film, oder genauer gesagt in der falschen Gewichtsklasse. Da bin doch wirklich in dem Glauben nach Polen geflogen, ich könne mit meinen für mich zarten 79kg bei den großen Jungs mitspielen. Das nennt man schlichtweg enorme Arroganz gepaart mit böser Unwissenheit und jugendlicher Träumerei. Was in Deutschland noch ohne Probleme funktioniert, geht international einfach nicht. Abkochen ist eine Pflichtübung, wenn man international kämpfen will. Ich wollte es aber einfach nicht wahrhaben. Die Quittung bekam ich dafür frei Haus, direkt in das Ego, direkt in das Herz. Was dann schließlich am Samstag folgte, war „a tough pill to swallow!“. Dass die folgende Nacht nicht von wunderschönen Träumen mit bildhübschen Mädels gespickt war, kann sich wohl jeder ausrechnen.
to be continued…
pelicanino
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Ede #2 stand auf dem Plan. Aber irgendwie fiel genau dieses Wochenende wohl in ein kosmisches Sommerloch oder aber alle lagen mal wieder mit ihrer Wochenend-Shemale am See und haben sich liebevoll ein Nogger-Chock geteilt; die Teilnehmerzahl lag doch weit unter dem Gewohnten. Oder aber: der Grappling-Boom ist auch schon wieder so schnell vorbei wie er entstanden ist, würde mich nicht im Geringsten wundern. Diese ganzen blinden Breitensport-Bewegungslegastheniker haben anscheinend gemerkt, dass man mit der wir-haben-uns-alle-lieb-und-blasen-uns-Zucker-in-den-Arsch-Trainingseinstellung keinen Blumentopf gewinnen kann. Auch dann nicht, wenn man schon in ganz andere Sphären abgedriftet zu sein scheint und statt Grappling jetzt nur noch auf Flow macht. LOL, du Voll-Schmock.
Wie gewohnt ging es auch wieder ratz-fatz los, gerade noch auf der Waage, nun schon auf der Matte.
Selbstverständlich haben die Spasemacken von der Organisation Oren und mich mal wieder in dem gleichen Pool starten lassen. Auf die durchaus freundlich gestellte Frage, ob man das nicht flugs ändern könnte, kam die gewohnte Antwort, schnurstracks wie aus dem Scheiß-Deutsche–Dufte-Holländer-Wörterbuch abgelesen: “Selber schuld, wenn ihr mit mehreren Kämpfern in der gleichen Gewichtsklasse startet!“ Wie behindert ist diese Antwort denn bitte? Guck mal, Pannekeuken-Kopjes: nur weil unseren bösen Urgroßväter euer Land wie einen Trupp lahmender Zinnsoldaten überrollt haben, braucht ihr nicht ganze 70 Jahre später immer noch die beleidigte Leberwurst spielen. Wir haben uns doch schließlich entschuldigt. Also in Zukunft mal ein bisschen mehr Sportsmann sein und weniger der verbitterte Hobby-Historiker.
Obwohl, ich muss wohl oder übel und gänzlich widerstrebend einen gewaltiger Rückzieher machen. Es gab wohl nur einen einzigen Pool für die 83kg-Klasse, ups. Aber es geht ja auch nicht um die Aktion als solche, sondern nur um das Prozedere.
Wie gesagt, Oren und ich sind in der 83kg-Advanced Klasser gestartet, die leider sehr schwach besetzt war, personell und auch leistungsmäßig. Viele bekannte Gesichter haben gefehlt. So haben Oren und ich da mal schnell kurzen Prozess gemacht. Platz 1 und Platz 2. Bedankt.
Irgendwann zwischen durch hörte man plötzlich ein lautes, peingetränktes Schreien. Egal, weitermachen. Aber dann meldete einer unserer Späher, dass sich Ghassan verletzt hat. Verdammt. Er hatte sich beim Takedown die Schulter ausgekugelt. Miese Sache. Den einzigen vollständigen Satz, den er noch aus seinem schmerzverzerrtem Mund pressen konnte war: „Armin, ich hab ihn gehabt! Ich schwöre!“ Die Angst vor dem langen Arm des Generalfeldmarschalls ist größer als der Schmerz. Hahahahaha, richtig so!
Jonas hat in der 83kg-Beginner Division wieder einmal sehr gute Kämpfe geliefert. Jetzt nur ein bisschen weniger Hektik und an den Submission feilen. 6 Kämpfe: Verdienter 3. Platz.
Nick hat seine Klasser mal wieder dominiert. Trotz einiger Schwachstellen im Game wird es wohl Zeit, ins tiefe Wasser zu gehen.
David und Onur sind in der 65kg-Beginner-Klasse gestartet. Onur wird merklich besser, von Turnier zu Turnier, es fehlt aber dennoch an Technik, Kraft, Ausdauer und Köpfchen. Aber das kommt mit der Zeit, definitiv.
Marius kämpfte unter 76kg bei den Beginnern.
Hier gibt es die vollständigen Ergebnisse.
To be continued…
pelicanino
post scriptum: Falls sich jemand durch die fehlenden politischen Korrektheit meiner niedergeschrieben Gedanken wiedererwartend angegriffen fühlt, so kann dieser durchaus getrost meine Scheiße fressen. Good night, good luck.
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