RESPECT.1

Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt. Ursprünglich sollten Firas, Ertan, Harun und Kaan auf der ersten Ausgabe von Respect FC kämpfen. Wegen Verletzungen standen letztlich nur Harun und der eingesprungene Serdar auf der Fightcard.

Für die Waage mussten wir schon um 12 Uhr in Herne sein. Wieder einmal lag ein langer Tag vor uns. Serdar hatte sein Gewicht von 75kg, nur Harun hatte irgendwie 1,5kg zuviel auf den Rippen. Warum? Keine Ahnung. Also alles anziehen was da ist, eine Runde Seilchen springen und ab in die Sauna. Warum ich für die Sauna auch noch 4,50 Euro bezahlt habe, wenn man da sowieso einfach reingehen kann, weiß ich nicht. Rookie-mistake.
Als Zeitvertreib, und um der ganzen Nörgelei einfach mal ein Ende zu bereiten, habe ich Chris und Armin zwischendurch noch kurz und schmerzhaft eine Privatstunde im Tempelboxen gegeben, ganz umsonst diesmal. Ja, so bin ich. Nur das Gejammer und Gewimmer von den beiden war unerträglich.

Harun hatte letztendlich auch das Gewicht erreicht und so konnten wir uns auf die Suche nach dem nächsten Lo-Wäng machen. Die runter-geschwitzten Kilos mussten ja schließlich wieder drauf. Fündig wurden wir in Herten-City, ein original 80er Jahre China-Restaurant mit exzentrischem Kellner, der voll einen an der Klatsche hat, aber 100%ig ein Großmeister-Weltcheftrainer-Sifu im Kellerassel-Kungfu ist. Auf die Schnelle aus einer Karte mit 5000 Gerichten auswählen ist auch kein Kinderspiel, obwohl 90% so oder so gleich schmecken. Sich dann das Lachen noch zu verkneifen, wenn jedem am Tisch das Grinsen bis zu den Ohren steht und der Kellner die Suppe bringt, ist für mich eine Mission Impossible. Selbstbeherrschung konvergiert da glatt gegen Null.

Auf dem Rückweg zum Auto sind wir noch an der hiesigen Kirmes vorbeigekommen. Schlagartig wurde ich da auch sofort wieder daran erinnert, warum ich nie wirklich auf Jahrmärkte gegangen bin. Nur Assi-Kanaken und Zigeuner, die am Autoscooter und Raupe die kleinen Mädels abgreifen wollen. Da krieg ich Blitz-Herpes nur vom Hingucken. Geschwind Popcorn, gebrannte Mandeln und diese-mit-weißer-Schokolade-überzogenen-Erdbeeren-am-Stil mitnehmen und ab dafür.

Zurück in dieser ominösen Squash-Halle war auch der Rest der Truppe eingetroffen. Das ist mal Team-Geist. Grandios. Die schlechte Nachricht kam dann aber postwendend. Haruns Gegner war bis dato noch nicht eingetroffen und auch nicht telefonisch erreichbar. Die Angst saß beim Gegner wohl schon im Nacken. Und der ganze Stress mit dem Gewichtmachen für die Katz. Miese Aktion.

Nach wirklich guten und spannenden und wirklich durchschnittlichen Kämpfen ging es immer mehr auf den entscheidenden Moment zu. Eine letzte nervige Pause noch abwarten. Ein letztes Mal entspannen und durchatmen.

Dann kam die fast hörbare Ansage des Ringsprechers. Jetzt war Kampf 12 an der Reihe. Serdar. Mit Armin, Ramin, Chris, Harun und mir ging es zum Ring. Alle mindestens genauso fokussiert und bereit wie Serdar selbst. Verdammt war ich angespannt. Rein in den Ring, kurze Worte von Armin und los. Serdars Gegner war kleiner, aber dafür kompakt. Kurze obligatorische Instruktionen vom Ringrichter, Handshake, Gong.
Serdars Gegner ging nach vorne und testete mit einem schnellen Lowkick an. Gar nicht lange fackeln, runter mit dem. Im Scramble hat sich Serdar die Sidemount erkämpft, aber musste erstmal seinen Kopf aus dem für Nicht-Grappler typischen Schwitzkasten-Ding rausbekommen. Ruhig Junge. Wie im Training. Dann ging es ab in die Mount und es regnete nur so gelbe Handschuhe Richtung Kopf. Boom. Boom. Boom. Kurzer Restart in der Ringmitte und weiter mit den Bomben. Und bitte, bitte keinen Armhebel machen. Gott sei dank. Und da ist der Ringrichter auch schon dazwischen gegangen. Jaaaaa. Hammer. Super Vorstellung, super stabile Mount. Super gemacht Serdar. Und das ganze Team feierte in der Ecke.

Gute Stimmung herrschte auf dem Event. Vereinzelt ein fast fachkundiges Publikum und extrem wenige MMA-Event-Stereotypen unter den Zuschauern. Nur hier und da ein paar Fans des 1. FC Anabolika und erfreulicherweise noch weniger Stenz-Imitatoren. Das war erträglich. Da haben wir über die Jahre schon weitaus Schlimmeres erlebt. Also durchaus positiv heute.
Nur hängt mir dieser mega ekelhafte Weihnachtsmarkt-Bratwurst-Stand-Geruch noch hartnäckig in der Nase. Bääh. Das ging mal gar nicht. Mir wird schlecht. Klimatechnisch war es auch nicht so berauschend. Mehr so wie Sauna.
Dafür haben die Referees einen umso besseren Job gemacht. Und auch sonst: Respekt an Ben und Sparte Essen für das Event. Danke, dass wie dabei sein durften.

Ach ja. Andreas a.k.a. Kopftrainer O-Ton: “Das ist ja euer Malte. Den kenne ich noch nicht.” – Das wird auch immer so bleiben! Ich habe nämlich eine extrem geringe Toleranzschwelle für Schlangen, so oder so. Alles andere verkneife ich mir jetzt mal.

Die vollständigen Ergebnisse gibt es hier.

pelicanino

Respect FC

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