Leider nicht so gut besucht wie erhofft. Wir hatten uns das heute etwas anders vorgestellt.
Aber der Weg nach Charleroi (sag das doch einmal Kaan, komm bitte) hat sich trotzdem gelohnt. In vielerlei Hinsicht. Zum einem bringt jeder Kampf Erfahrung und “innere Ruhe”, die einen Kämpfer wachsen lassen, zum anderen bekommt man wieder einmal einen Eindruck, wie die anderen Teams kämpfen und sich bewegen. Als Bonbon hat sich wieder einmal bestätigt, dass die Belgier nicht wirklich zu den ansehnlichsten Nationen zählen. Die verkaufstüchtige schokobraune Mademoiselle mit den langen Beinen am Eiweißriegelstand sei als Regel bestätigende Ausnahme noch kurz erwähnt.

Kurzes bilinguales Rules-Meeting mit einem französisch sprechenden Ralf-Schmitz-Verschnitt, der ungewollt wirklich witzig war. Für ihn eine ganz wichtige Regel: nicht den Mittelfinger in den Popo des Gegners stecken: c`est interdit! Danke für diese unmissverständliche Visualisierung.
Aufgrund der geringen Teilnehmerzahl gab es auch keine Unterscheidung zwischen Anfängern und Fortgeschrittenen.
Zu den Kämpfen:
Kaan und ich sind in der 76kg-Klasse gestartet. Ich habe meine ersten drei Gegner gefinished (Reverse-Guillotine, Armhebel, Guillotine) und auf Kaan im Finale gewartet. Die Gegner waren so-la-la.

Kaan hat einen guten-schlechten ersten Kampf abgeliefert. Super Takedowns und Submission-Eingänge, aber das letzte bisschen hat immer gefehlt. Aber die Fortschritte aus dem Training waren deutlich zu sehen. Verdienter Punktsieg.

Seinen zweiten Gegner hätte ich ja gerne mal auf der Waage gesehen. Kaum zu glauben, dass der Junge nur 76kg wiegen soll. Auch wenn er mehr ein Jay Cutler auf Zahnstochern war. Krass. Aber das ganze Winstrol-Gebilde will ja auch mit Sauerstoff versorgt werden. Und so war es nicht weiter verwunderlich, dass der Typ nach der 6. Minute im ersten Kampf schon wie ein Borkenkäfer rumlag. Nichtsdestotrotz technisch sehr gut.

Aber: Kaan hat mal eben kurzen Prozess mit dem Jungen gemacht. Takedown und dann einen Beinhebel reingeknallt. Boom. Da ist mir doch glatt „filho da puta“ rausgerutscht. So etwas. Und während wir alle Kaan am Mattenrand siegestrunken und lautstark feiern, meinte Oren kleinlaut: „Ich geh dann mal kämpfen, ne!“

Im Finale gegen Kaan habe ich mir dann dummerweise meine Schulter verletzt. 6 Wochen Arm-Schlinge plus optionaler OP. Pisse-Kacke-Scheisse. Aber den ersten Platz lass ich mir auch mit einer akuten Lungenembolie nicht nehmen. Ego viel zu groß für diese 1,78. Silber steht dir aber auch sowieso viel besser, Kaan.


Nenad musste sich im ersten Kampf bis 83kg mit einem Anaconda geschlagen geben. Bei ihm fehlt noch das Arsenal und die Ruhe beim Kämpfen. Das kommt aber noch. Training Training Training.

Oren hat in derselben Klasse überragend den ersten Platz erkämpft. Einmal Punkte und dreimal Submission (Reverse- Guillotine, Francesa, Armhebel aus Kesa-Katame). Und alles, was wir trainiert hatten, hat Oren auch super umgesetzt; Schulterlinie, Blockieren, Attackieren. Gut gemacht Junge. Jetzt weiter arbeiten.


Chris ging bis 91kg an den Start. Augen zu und durch. Der erste Gegner hat dann auch sofort die dunkle Seite der Eder-Macht zu spüren bekommen. Mata-Leon.
Der Finalgegner kam dann eher aus der Ecke der-hässliche-große-Bruder-von-Gollum und sah auch mehr aus wie plus 100kg. Chris hat super gekämpft und wieder einmal echtes Kämpferherz bewiesen und Paroli geboten. Aber da hat heute doch der massive Gewichtsunterschied gepaart mit Kraft gegen Technik gewonnen. Das soll nicht heißen, dass der Gegner keine Technik hatte, im Gegenteil. 2. Platz für Chris. Dass der Gegner zweimaliger Olympiasieger im Griechisch-römisch sein soll, ist in meinem kleinen schwarzen Buch vermerkt und wird recherchiert.

Ach ja: die oben versehentlich eingestreuten Komplimente zu euren Kämpfen sind nur rhetorischer Art. Ihr könnt gar nichts! Nichts! Schwingt euren Arsch bloß am Montag in die Halle!

Was für ein Hammer-Tag; zusammen im Auto unterwegs; Lieder mitsingen, von denen keiner den Text auch nur ansatzweise kann; über alles und jeden lästern; alles und jeden verfluchen; kämpfen & coachen bis der Hals brennt; alles Revue passieren lassen; die neuen Termine besprechen; alles und jeden zum zweiten Mal verfluchen; McDonalds; Uni-Klinik incl. hübscher Schwester und noch hübscherer Ärztin. Was brauch man mehr?

Merci beaucoup an Anja, Ramin, Danny, Maki und den anderen, dessen Namen ich vergessen habe, dass ihr zur Unterstützung mitgekommen seid. Und bei all den Geschichten von Armin auf dem Rückweg ist mir bewusst geworden, was für ein Benjamin-Blümchen ich doch eigentlich bin. Holly freaking J-E-Z-U-Z.
pelicanino
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