Um 6 Uhr mit Vodka im Bauch und Hip Hop in den Ohren ins Bett. Um 13 Uhr schon wieder an der Halle stehen. OC-Cup in Koblenz. Das wird wohl hart werden heute.
Erst einmal ein Kitkat White Chunky (die Wunderwaffe gegen alles und der beste Schokoriegel der Welt) reinknallen, dann geht es schon gleich wieder besser. Koblenz ist auch nur eine Autostunde entfernt, immer schön am offenen Fenster Frischluft atmen. Während Kaan und Serdar auf den billigen Plätzen im Takatukaland waren, wurden mir alle wichtigen Fakten über Iron Maiden beigebracht. Und ich habe zu meinem eigenen Erstaunen festgestellt, dass Heavy Metal und Hardrock, oder wie man die Musik auch nennen mag, sehr beruhigend auf mich wirkt. Wieso?
Natürlich war die Location wieder irgendwo in einem aus dem Boden gestampften Konsumareal, mit tausend kleinen Strassen und Kurven, so dass unser Navi total abgedreht ist. Ich war drauf und dran der dummen Frauenstimme einen Mata Leon rein zuhauen. Und zu allem nervlichen Überschuss meinte Armin doch glatt gucken zu müssen, ob die Halle nicht doch auf dem Parkplatz eines Einrichtungshauses direkt neben der Crêpe-Bude liegt. Wie meint der das?
Angekommen erst einmal die üblichen Formalitäten erledigen und ab auf die Waage. Und ich habe kopfschüttelnd den Cage in Augenschein genommen. Nicht euer Ernst, oder? Auf Fliesen, nur mit Stand-Up-Puzzlematten? In Schulnoten ausgedrückt: 6, setzen und die Klasse wiederholen! Ich war doch wahrlich in dem Glauben, diese Zeiten hätten wir hinter uns gelassen. Scheinbar nicht. 15 Euro finde ich auch ein wenig übertrieben für ein Event dieser Art. Ich will aber auch nicht immer meckern. Zu spät, oder?
Und wirklich Jungs? www.blutrausch-koblenz.de? Warum? War die Domäne www.ich-ficke-deine-mutter-und-schlage-dir-den-schaedel-ein-bis-das-blut-spritz.info nicht mehr frei? Un-glaub-lich.
Warum kommt eigentlich immer so ein komisches Klientel zu MMA-Events? Der Informatiker mit Lupenbrillen, der auch dazugehören will und deswegen irgendein MMA-T-Shirt trägt, das wohl grade bei KIK im Angebot war. Der koksende, ewig jung gebliebene Halbrocker, der die ganze Zeit mit seinem Lippenpiercing rumspielen muss und keine Ahnung von dem Sport hat. Der Möchtegern Bodybuilder, ohne Spiegel zu Hause und im hautengen triple-xs Nike Pro Shirt. Die 90er-Jahre Boyband-Kopie mit Stirnband, Dauerkarte im Sonnenstudio und Handtäschchen. Die Bratze mit Silikon-Lippen und French-Tips.
Ich bleibe nächstes Mal einfach zu Hause. Einziger Wehmutstropfen: die bekannten Gesichter von Ulrich und Sebastian von GroundandPound. Danke Jungs.
Eigentlich war ich die ganze Zeit in der Kabine bei den Jungs, wo auf 15 Quadratmetern 10 Jungs samt Betreuer in einer Atmosphäre aus Thai-Öl, Schweiß und Angst rumgeisterten, und habe deswegen nur gelegentlich die Kämpfe verfolgt. In einem dieser Momente kämpfte gerade ein Franzose gegen einen anderen Franzosen. Der eine hatte eine wirklich beeindruckende Physis und sah original aus wie dieser Endgegner bei Resident Evil – Apocalypse, nur in klein eben. Täuschend echt. Jedoch hat er den Kampf gegen den eher schmächtig aussehenden Elsässer verloren. Krass aussehen reicht halt nicht.
Bei allem, was ich zu Gesicht bekommen habe, muss ich sagen, dass die Kämpfe durch die Bank durchaus gut waren: alle Kämpfer haben richtiges Herz bewiesen und bis zum Letzten gekämpft. Respekt und Hut ab.
Dann war Serdar an der Reihe. Ein paar letzte Worte ins Ohr flüstern und rein in den Cage. Tür zu. Hand-shake. Gong. Los.
Und es wurde stockduster um mich herum…
pelicanino
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