Geschrieben von Ulrich Huppertz
Samstag, 19. Mai 2007

Ground and Pound: Hallo Malte, Glückwunsch zu deinem Sieg bei der SFC! Wie war es seit knapp zwei Jahren erneut im Ring zu stehen?
Malte Janssen: Hallo Ulrich. Danke. Der Grund für die relativ lange Auszeit war einfach mein ein wenig vernachlässigtes Studium. Aber ansonsten hat sich bei mir seit dem letzten Kampf nichts wesentlich verändert; vielleicht bin ich ein bisschen routinierter und relaxter als früher. Die typischen Begleiterscheinungen sind bei mir nach wie vor vorhanden: Tunnelblick, nur noch Gehör für die eigene Ecke und weniger Kondition als im Training. Nebenbei: Lob noch mal an Mario Stapel für die SFC, die bis auf die bekannten Kinderkrankheiten eine sehr gelungene Veranstaltung war.
GnP: Du hast Philipp Schade vom German Top Team nicht den Hauch einer Chance gelassen und dir den TKO Sieg in Runde eins geholt. Hast du den Kampf so erwartet?
MJ: Ein Kampf läuft ja eigentlich immer anders ab, als man es im Vorhinein erwartet. Man macht sich ein Gameplan und versucht den dann auch im Kampf so umzusetzen. Die große Variable, der Gegner, spielt nur dann leider nicht so mit wie man sich das gedacht hat. Ich kannte Philip Schade vorher nicht, dachte mir aber, da Philip aus Peter Angerers Stall ist, dass er wohl eher ein Stand-up Kämpfer sei. Von daher war der Gameplan Takedown und Submission oder G`n`P. In meinem Fall hat es diesmal so geklappt wie es geplant war. Ich hab einfach das gemacht, was ich am besten kann bzw. von dem ich denke, dass ich besser bin als mein Gegner: Takedown & Ground`n`Pound bzw. Submission. Nächstes Mal läuft das vielleicht ganz anders ab. Man weiß ja nie.

GnP: Du warst der einzige Kämpfer der auf der SFC Gebrauch vom Ellenbogen gemacht hat und dies mit verheerender Wirkung aus der Full Mount. Hast du speziell an deinem Ground and Pound gearbeitet?
MJ: Ja, zur Vorbereitung hab ich schon intensiv am Boden Ground`n`Pound trainiert. Aber das ist Standart im Vale Tudo-Traning. Meiner Meinung nach ist das auch die beste Möglichkeit, sich konditionell auf einen Vale Tudo-Kampf vorzubereiten. Wer schon mal 4×5 Minuten auf dem Boden auf eine Sandsack geschlagen hat, der weiß wovon ich spreche. Ansonsten stelle ich mein Training nicht großartig um, wenn ich für eine Vale Tudo-Kampf trainiere. Das Training ist schon anstrengend genug. (lacht)
GnP: Erzähl uns bitte, wie du zum Kampfsport gekommen bist, und speziell wann und warum du erstmals mit dem MMA angefangen hast.
MJ: Eine Affinität zu Kampfsport im Allgemeinen habe ich schon seit meiner Kindheit, allerdings habe ich erst sehr spät mit Shotokan-Karate begonnen. Das habe ich so 7 Jahre gemacht, ohne großartig auf Wettkämpfe zu gehen. Dann lief mir irgendwann irgendwie die UFC über den Weg und hat ich derart begeistert und fasziniert, dass ich das auch machen wollte. Wie ich zu Luta Livre und zu Armin gekommen bin, weiß ich gar nicht mehr so genau. Auf jeden Fall stand ich dann irgendwann Anfang Januar 2003 in Düsseldorf auf der Matte und fing an zu grappeln. Nach einem halben Jahr Training hat Armin mich dann so ganz nebenbei mal gefragt: “Hast du Lust Vale Tudo zu kämpfen?” Meine Antwort war ein simples und ein wenig verhaltenes “Klar!”.
Dann ging es erst richtig los. Ich bin mir sicher, dass ich noch nie vorher so an meine körperliche Grenze und Leistungsfähigkeit gegangen bin wie in den ersten Wochen des Vale Tudo-Trainings. “train like you fight and fight like you train!” war die Devise. Aber besser im Training “KO” als im Ring! Warum ich mit Vale Tudo angefangen habe? Ich wollte einfach nur wissen, ob ich “hart” genug dafür bin, das war so meine einzige Intention. Tja, und scheinbar bin ich das. (lacht) Aber wie Muhammad Ali schon richtiger Weise bemerkte: ” There are more pleasant things to do than beat up people.” Und das sehe ich genau so.

GnP: Mit wem und wo fand der Grossteil deiner Vorbereitung auf den Kampf statt. In Frechen, wo du selber trainierst oder bei den Taifun Luta Livre’s unter Armin Eslami?
MJ: Vorab gesagt: das Team Taifun Luta Livre existiert und trainiert sowohl in Frechen als auch in Düsseldorf und Armin ist in beiden Gyms der Trainier. In Frechen leite ich das Training nur, wenn Armin aus beruflichen Gründen keine Zeit hat. Zur Vorbereitung auf den Kampf habe ich in beiden Gyms mit Armin und allen anderen Kämpfern trainiert. Egal welches Gewicht. An dieser Stelle noch mal Danke an alle Jungs.
GnP: Wo liegen deine Prioritäten momentan, willst du in erster Linie Luta Livre weiter lehren und trainieren oder dich jetzt, wo der Sport in Europa boomt, verstärkt als Kämpfer präsentieren und schauen was möglich ist?
MJ: Für mich steht Luta Livre an erster Stelle. Die Möglichkeit Vale Tudo zu kämpfen, werde ich nur wahrnehmen, wenn ich die Lust und die zeitlichen Möglichkeiten dazu habe. Eine professionelle Laufbahn im MMA werde ich definitiv nicht anstreben, egal wie groß der Sport in Europa mal werden wird.
GnP: Nicht wenige halten dich trotz deiner längeren Pause für einen der besten Deutschen Kämpfer bis 75 Kilo. Du hälst Siege über Top Leute wie Cengiz Dana und Ulas Aslan und musstest dich bisher erst Daniel Weichel geschlagen geben. Spielst du ab und zu mit dem Gedanken, diese Niederlage irgendwann einmal ausgleichen zu wollen?
MJ: Mit Sicherheit. Wer verliert schon gerne? Daniel Weichel ist ein guter Vale Tudo-Kämpfer mit sehr viel Erfahrung. Wenn sich die Chance zu einem Rückkampf in Zukunft einmal bietet, werde ich mit Sicherheit zusagen. Ansonsten nagt diese Niederlage nicht übermäßig an meinem “Ego”.

GnP: Die nächste Chance auch international auf dich aufmerksam zu machen erhältst du am 24. August bei dem Debut der Ultimate Challenge in Aachen. Du nimmst dort an dem 4-Mann Turnier in der -75kg Klasse teil, das mit Lokalmatador Mbo Ndundu, dem Niederländer Dave Dormans und dem Belgischen BJJ Verfechter Wim Deputter stark besetzt ist. Was denkst du von den Gegnern und dem Event?
MJ: Ich hoffe, dass das Event ein großer Erfolg wird. Positive Publicity ist gerade in unserem Sport sehr wichtig und ich denke, dass die Veranstalter dazu alles Mögliche tun werden. Wenn der organisatorische Rahmen professionell gestaltet wird, ist die erste Hürde zur breiten gesellschaftlichen Akzeptanz ja schon einmal genommen. Zu meinen Gegnern: den Niederländer Dave Dormans kenn ich nicht. Mbo Ndundu kenn ich nur vom sehen. Seinen Kampf auf der SFC hab ich nicht verfolgen können. Gegen Wim Deputter hab ich auf dem ersten Tap-or-Snap in Dortmund gekämpft und gewonnen. Aber erstens ist Vale Tudo etwas ganz anderes als Grappling und zweitens machen die Jungs auch ihre Hausaufgaben, so dass ich mich jetzt gar nicht zu den kämpferischen Qualitäten meiner Gegner geschweige denn zum Ausgang der Kämpfe äußern möchte. Vielleicht nur soviel: I`ll be prepared and ready…(lacht)
GnP: Bei der SFC hättest du ja ursprünglich gegen Franco De Leonardis antreten sollen. In wie fern spielt bei dir der Gedanke an die Luta Livre und Brazilian Jiu Jitsu Fehde eine Rolle wenn es gegen die Rivalen geht?
MJ: Nun gut. Ich bin 100% Luta Livre, aber trotzdem ist diese ganze Luta Livre – BJJ Rivalität doch mehr ein running-gag bzw. von früher aus Rio “importiert” als Realität. Natürlich freue ich mich, wenn ein Luta Livre Kämpfer gewinnt, aber ich habe weder ein Problem mit BJJ noch mit Ortega oder anderen Kämpfern; nur auf der Matte oder im Ring gilt: “Geschäft ist Geschäft.” (lacht) egal ob gegen BJJ oder Tao Concepts. (grins)

GnP: Ich kann mich noch an den Kampf von Renzo Gracie (BJJ) gegen Eugenio Tadeu (Luta Livre) im Vale Tudo damals erinnern, da kochte aber die Hütte, im wahrsten Sinne des Wortes! Gut zu sehen dass es hier erwarteterweise professioneller zu Gange geht.
UFC 71, Chuck Liddell gegen Quinton „Rampage“ Jackson, wie lautet dein Expertentipp?
MJ: Definitiv Rampage, KO oder Ref Stoppage in einer der ersten beiden Runden!
GnP: Malte, Vielen Dank für das Interview, hast du abschließend noch eine Nachricht an deine Fans und unsere Leser?
MJ: Danke auch. Ich möchte mich an dieser Stelle noch einmal bei allen bedanken, die mit mir in Düsseldorf und Frechen trainiert haben, allen voran und ganz speziell Armin.
Malte Janssen, ein Senkrechtstarter der deutschen MMA Szene, machte sein Vale Tudo Debut auf dem 1. Outsider-Cup in Minden im Juli 2003! Dann folgten zwei weitere MMA Fights, die Malte beide gewinnen konnte! Beim OC 2 in Lübbecke war Malte für einen Superfight gegen Daniel Weichel gesetzt, den Daniel dann für sich entscheiden konnte! Der OC machte im Vorfeld ein Interview mit Malte, sowie eine Berichterstattung im deutschen Printmagazin “Kickboxen”!
O.C. Malte, wie waren Deine Stationen im Kampfsport?
M.J. Ich begann meine Kampfsportlaufbahn 1995 mit Shotokan-Karate. Hier trainierte ich bis zum Blaugurt. Ab 2003 wollte ich meine Bodenkampffähigkeit erweitern und begann mit der Kampfsportart Luta Livre, welche vom brasilianischem Meister Daniel D` Dane 1995 nach Deutschland gebracht wurde.
O.C. Wie ist Deine Graduierung im Luta Livre und wer sind Deine Trainer?
M.J. Ich bin z.Z. Träger des blauen Gürtels in Luta Livre und bin Mitglied im Taifun Luta Livre Team Düsseldorf/Frechen unter den Trainern Ramin und Armin Eslami, sowie Alpaslan Cancaja und Frank Aust.
O.C. Hast Du Dich auch über das reguläre Training hinaus weitergebildet!
M.J. Ja, ich hatte diverse Teilnahmen an Seminaren von z.B. Meister Daniel D`Dane, Alexander Franca Nogueira alias “Pequeno”, Vitor “Shaolin” Ribeiro, Ze Marcello und Junoir Santos – alles namhafte Bodenkampfexperten und Vale Tudo Kämpfer aus Brasilien!
O.C. Deine sportliche Ziele?
M.J. Auch im Jahr 2004 möchte ich natürlich wieder Freefights kämpfen und hoffe, dass ich ungeschlagen bleibe!
O.C. Danke Malte und viel Erfolg weiterhin!
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